Die Zeit des Niedergangs

Nach dem Erlaß des Ermäch- tigungsgesetzes vom Februar 1933 nahm die Verfolgung der Arbeitersport-Bewegung ihren Lauf. Der Arbeiter-Radfahrer- Bund Solidarität wurde Im ganzen Land zerschlagen, das Vermögen enteignet - aufgrund "sozialdemokratischer Weltanschaung" und zum "Schutz von Volk und Staat", wie es in einem Befehl der Geheimen Staatspolizei, des mächtigsten Terrorinstruments der Nazis, hieß.

Mit welchem Mut Mitglieder der Frickenhäuser Solidarität dem Verbrechen entgegentraten, beweist das Schicksal der Vereinsstandarte. Das Haus des Vorsitzenden Wendelin Hilpert war von SA-Schergen durchsucht worden, alle Unterlagen und Protokolle wurden eingezogen und vernichtet. Zum Retter der Fahne wurde Michael Weiglein. Bei der Durchsuchung seines Hauses in der Spitalgasse trug er das Fahnentuch um den Leib. Seine Tochter Agnes Hoppe errinnert sich noch heute an die schrecklichen Vorgänge. Danach versteckte er die Standarte in einem leeren Faß im Keller und vergrub sie später zusammen mit seinem Schwiegersohn Georg Sussner in seinem Weinberg am Steinach. Auf diese Weise wurde die Fahne zum kostbarstem Besitz der Frickenhäuser Solidarität, bis sie beim Bramd des Vereinsturms in der Nacht zum 19. April 1991 ein Raub der Flammen wurde.